| Die Ursprünge des Tiroler Schützenwesens reichen in das Spätmittelalter zurück. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das System der Wehrfreiheit, das die Tiroler zur Verteidigung ihrer Heimat verpflichtete und sie dafür von auswärtigen Wehrdiensten entband.
Diese Rechte und Pflichten, im „Tiroler Landlibell“ Kaiser Maximilians I. 1511 festgeschrieben, bildeten die Grundlage für das Gedeihen des Tiroler Schützenwesens und des Landes Tirol.
Das Tiroler Schützenwesen bewährte sich in den napoleonischen Kriegen gegen eine starke militärische Übermacht. Im Ersten
Weltkrieg bewiesen die Tiroler Schützen mit der Verteidigung der Heimat gegen die mit starker Übermacht angreifenden Italiener zum letzten Mal in einem Krieg ihre große Einsatz und Opferbereitschaft.
Die Teilung Tirols am Ende des Ersten Weltkrieges war ein schwerer Schlag für das Schützenwesen im südlichen Tirol.
Der Frieden von St. Germain setzte Landesverteidigungsgesetz und Schießstandordnung außer Kraft, und das Waffentragen wurde auch den Tirolern untersagt. Die Faschisten verboten darauf alle deutschen Vereine und beschlagnahmten die Schießstände sowie alle Trachten, Waffen und Fahnen, derer sie habhaft werden konnten. Nur wenige Schützenkompanien überlebten in der Illegalität. Auch die Nationalsozialisten erlaubten nach der Machtübernahme in Südtirol 1943 kein Wiederaufleben des Schützenwesens, sondern missbrauchten einzelne Gruppen in Schützentrachten für ihre Zwecke.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wagten sich die ersten Schützenkompanien vor allem bei Prozessionen wieder als „Trachtengruppen“ ans Tageslicht. Eine der ersten offiziellen Schützenkompanien wurde 1950 in Walten unter Hauptmann Jörg Klotz wieder gegründet.
Im Hinblick auf die 1959 anstehende 150-Jahr-Feier des Freiheitskrieges gegen Napoleon wurde am 2. März 1958 mit Unterstützung des Bundes Tiroler Schützenkompanien, der die die Schützen Nord- und Osttirols vereint, der Südtiroler Schützenbund gegründet. Anfangs waren es 14 Kompanien mit 200 aktiven Schützen, aber bereits im gleichen Jahr wurden noch weitere 21 Kompanien gegründet, und beim großen Umzug im September 1959 in Innsbruck marschierten
gut 2000 Südtiroler Schützen aus über 50 Kompanien mit.
Im Februar 1961 war mit 3373 Mitgliedern in 87 Kompanien ein vorläufiger Höhepunkt erreicht (vor dem Ersten Weltkrieg gab
es in Südtirol 10.000 Schützen). Von Anfang an war der Wiederaufbau des Schützenwesens wegen des Bekenntnisses zu Tirol von den italienischen Nationalisten angefeindet worden. Die ersten Anschläge des Südtiroler Freiheitskampfes gaben dann den gesuchten
Vorwand, den Schützen im März 1961 das Tragen der Trachten und damit das öffentliche Auftreten zu verbieten.
Die Bundesleitung stellte daraufhin ihre Tätigkeit ein und ordnete dies auch den Kompanien an. Trotz des Verbotes, des massiven Druckes und der Einschüchterungen durch die italienischen Behörden ließen sich viele Schützen aber nicht unterkriegen und arbeiteten geheim weiter. Auf Druck der Basis wurde am 22. Juni 1968 eine Bundesgeneralversammlung mit Neuwahlen abgehalten, die zu einem Neuanfang mit Landeskommandant Dr. Karl Mitterdorfer und Bundesmajor Dr. Bruno Hosp führte. Die Mitgliederzahl war zwar inzwischen auf die Hälfte geschrumpft, doch gelang es bald, nahezu alle Kompanien wieder zu beleben.
Das erste Landesfest des Südtiroler Schützenbundes 1970 in Meran mit der Weihe der Bundesfahne wurde mit 4500 Teilnehmern zu
einem beeindruckenden Ereignis.1975 wurde die Alpenregion der Schützen gegründet, in der die Schützenbünde Bayerns, Nord-/Ost- und Südtirols und in der Folge auch Welschtirols zusammenarbeiten.
Ein weiterer Höhepunkt war die Teilnahme am Festumzug zum Tiroler Gedenkjahr 1984 in Innsbruck. Seit den 80er Jahren hat sich der Südtiroler Schützenbund zusätzlich zu den überlieferten Aufgaben der Traditions- und Brauchtumspflege immer mehr auch in allen den Schutz der Heimat betreffenden politischen Fragen engagiert und seine parteipolitische Unabhängigkeit ausgebaut. Aufsehen erregte der von Faschisten angepöbelte Protestmarsch gegen die aufwändige Restaurierung des faschistischen Siegesdenkmals in Bozen 1991. Zum Thema Ortsnamengebung wurden mehrere Aufklärungsaktionen gestartet. Am 17. September 1995 wurde der Gesamttiroler Schützenbund als Dachverband aller Schützen des historischen Tirol gegründet. Im Jahr 2000 erhielten die Schützen die Erlaubnis, entschärfte historische Waffen zu tragen. 50 Jahre nach seiner Gründung kann sich der Südtiroler Schützenbund über zunehmendes Interesse vor allem der Jugend freuen. Quelle: SSB
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