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Das Fest war historisch, die Stimmung bestens – und die Schützen jubilierten: 40.000 Besucher feierten „175 Jahre Gladbacher Schützenfest – Tradition seit 1836“.
Und der festliche Rahmen stimmte: Ein strahlender König (Jörg Pauen aus Kleinenbroich) schickte 2500 stramme Schützen und Musikanten zur Parade. Eine historische Truppe mit superhohen Zylindern („Auf Zack im Frack“) erinnerte an die Anfänge in der Biedermeier-Zeit. Und die Band of the Irish Gurads aus London bot Pomp mit Pauken und Trompeten. Für die seelische Stärkung sorgte Bundespräses Weihbischof Heiner Koch aus Köln, der bei der feierlichen Krönungsmesse im Gladbacher Münster predigte und Glaubensstärke einforderte.
Der gastgebende Bruderrat um Schützenchef Horst Thoren hatte das Jubiläums-Stadtschützenfest mit Feldlager, Parademarsch und Majestätenball bestens vorgeplant und letztlich sogar Glück mit dem Wetter: Samstag beim Vogelschuss Sommer-Sonne satt, Sonntag bei Festzug und Parade nur ein paar Tröpfchen Schön-Wetterregen. So fällt die Festbilanz mehr als positiv aus. Begeistert äußert sich vor allem der neue Bezirkskönig, der als Überraschungssieger aus dem seltsamsten Königsschießen aller Zeiten hervorging.
Einen solchen Vogelschuss hatte es in Gladbach noch nicht gegeben: Der Vogel fiel gut 90 Sekunden nach dem entscheidenden 57. Schuss, kurz bevor der nächste Königskandidat abdrücken konnte. Völlig überrascht ließ Jörg Pauen den Jubel über sich ergehen. Der 39jährige Elektrotechniker, Majestät der Sankt-Sebastianus-Bruderschaft Kleinenbroich, hatte den Schießstand bereits verlassen, als der Holzadler zeitverzögert zerbrach und aufs Pflaster stürzte.
Pauen wurde als Bezirkskönig („König der Könige“) der 20.000 Schützen in Mönchengladbach und Korschenbroich ausgerufen. Ehefrau Claudia küsste ihn innig, die Schützenfreunde ließen ihn hochleben. Tröstende Worte und Schulterklopfen gab es für den Pechvogel des Tages Robert Grabisch aus Dahl. Der König der Hubertus-Bruderschaft war als nächster Schütze bereits zum Schießen angetreten, aber noch nicht zum Schuss gekommen. So entging ihm der Königstitel knapp. Als Minister stehen Jörg Pauen die beiden Schützen zur Seite, die vor ihm auf den Vogel geschossen hatten: Markus Effertz (48, Kraftfahrer aus Speick) und Paul Schieren (65, Rentner aus Lürrip).
Ins Amt eingeführt wurde der neue Bezirkskönig am Festsonntag bei der feierlichen Krönungsmesse im Gladbacher Münster von Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst. Mit van der Vorst zelebrierten Bundespräses Weihbischof Heiner Koch, Propst Albert Damblon und Regionaldekan Ulrich Clanzett die Festmesse, die der Männerchor Cäcilia Holt und die Big Band Sankt Barbara Neuwerk musikalisch gestalteten. Nach der Messe formiert sich unter dem Kommando von General Lothar Erbers (im Frack mit preußischem Zweispitz) der Festzug der 2500 Schützen und Musikanten, an dessen Spitze Oberbürgermeister Norbert Bude (hoch zu Ross im grünen Schützenrock) und die historische Truppe mit Preussen-Prinz-Double Michael Schroeren (mit güldenem Brustpanzer und Pickelhaube) und Gladbacher Promis in Biedermeier-Kluft an erste Gladbacher Schützenfest von 1836 erinnerten.
Die Frackträger zu Pferd und in Kutschen setzten mit ihren überhohen Zylindern einen besonderen Akzent und gefielen sich in ihrem Auftritt so gut, dass sie im nächsten Jahr wieder mit Frack in Erscheinung treten wollen. Besonderen Beifall heimsten in der Truppe Ex-OB Monika Bartsch mit Tochter Sabine in schmucken Rüschenkleidern, NVV-Chef Friedhelm Kirchhartz als „Bürgerkönig 1836“, Polizeipräsident Hans-Hermann Tirre in historischer Uniform und Rechtsanwalt Peter Backes auf seinem Hochrad ein.
Zu Ehren der Majestät paradierten schließlich am Alten Markt nach dem Ja-Wort von OB Bude (er gibt traditionell die Erlaubnis zur Parade) 2500 Schützen und Musikanten in sechs Abteilungen, die von zwölf Tambourkorps und Musikkapellen begleitet wurden. Krönender Abschluss der Parade war der Große Zapfenstreich, den Rittmeister zu Fuß Heinz-Josef Katz gekonnt kommandierte, und der nochmalige Auftritt der britischen Musiker.
The Band of the Irish Guards aus London, die bei der Hochzeit von Kate und William spielte, blies den Schützen-Majestäten gekonnt den Marsch und war auch optisch (mit den roten Uniformen und Bärenfellmützen) eine Augenweide. Zum Abschluss also: God save the Queen und die Europahymne. Dafür gab es tosenden Applaus, auch von den angereisten europäischen Brauchtumsexperten Europakönig Mario Geissler und Europa-Schützen-Vizepräsident Bernd Hellwig.
Später dann traf sich die versammelte Festgemeinde auf dem Kapuzinerplatz – wo die Schützen ihr Feldlager hatten und abends mit Hätzblatt kölsche Tön zu hören waren. Dort nahm Wickrathhahn die Siegerpokale für die größte Abordnung und die größte Frauengruppe in Empfang (in der Gesamtwertung nur knapp vor Bettrath, bei den Frauen knapp vor Hardterbroich), hatte der Bruderrat Gelegenheit, mit den Helfern und Unterstützern beim großen Stadtschützenfest anzustoßen. Besonderen Dank sagten die Schützen Polizei und Feuerwehr, MGMG, Festwirt Rolf Jansen und Marktbeschicker Horst Römgens, allen Förderern und ganz besonders den teilnehmenden Schützen. Schützenchef Horst Thoren: „Der kleinste Jungschütze ist wichtig für den Erfolg, unser Fest ist eine Gemeinschaftsleistung von 2500 brauchtumsbegeisterten Mitstreitern.“
Quelle: H.Thoren MG
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Letzte Aktualisierung:
12.05.2012 ISSN - 2190-9881
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