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175 Jahre Gladbacher Schützenfest

Tradition verpflichtet:
Die Kleiderordnung von 1836, die im wohlgesetzten Worten den Schützen Frack, weiße Hose, überhohen Zylinder und Halsbinde vorschrieb, kommt zu neuen Ehren.

Gladbachs Schützenchef Horst Thoren verkündete beim Jubiläumsempfang „175 Jahre Gladbacher Schützenfest“ am Rheydter Schloss, das die Promi-Truppe zum Stadtschützenfest mit Frack und Zylinder aufzieht. Thoren hat einen Hutmacher aufgetan, der im Auftrag der Gladbacher den Sonderzylinder (Format Biedermeier) nach historischen Vorbild in 18 Zentimeter Höhe fertigt. Die ersten Exemplare sind bereits ausgeliefert und wurden beim Jubiläumsempfang vorgeführt.

Zum Jubiläums-Stadtschützenfest im September soll die gesamte Promi-Truppe so auftreten. Horst Thoren, sieht in der überlieferten Schützentracht ein Bekenntnis zur guten Tradition des ersten gesamtstädtischen und überkonfessionellen Gladbacher Schützenfestes von 1836. Thoren: „Die Schützen standen für Demokratie und Fortschritt. Sie wollten mit ihrem Fest Grenzen überwinden – zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen Preußen und Rheinländern, zwischen Obrigkeit und Untertanen.“

Die Pfauen auf der Turnierwiese kommentierten die Reden des Oberbürgermeisters und des Schützenchefs beim Festempfang am Herrenhaus auf ihre Weise. Als OB Bude beim Schützentreffen sprach und die Bruderschaften lobte, gab es ein, zwei laute Vogelkommentare. Die Thoren-Rede wurde gar mit dreifachen Pfauenrufen lautstark unterbrochen. Das sorgte für herzliche Lacher bei den versammelten Politik-Gästen (unter ihnen Ex-OB Monika Bartsch, Bürgermeisterin Renate Zimmermanns, Korschenbroichs Bürgermeister Heinz-Josef Dick und die Abgeordneten Michael Schroeren MdL, Günter Krings MdB und Ansgar Heveling MdB) und ein „Dankeschön für Zustimmung!“ beim tusch-erfahrenen Brauchtumsmann Thoren. Der hatte schon vorab für Schmunzeln gesorgt, als er „OB Bude nicht im Regen stehen lassen wollte“ und über dem Oberbürgermeister einen SPD-roten Sparkassenschirm aufspannte. Bude revanchierte sich später als Schirm-Herr bei Thoren.

So viel Solidarität und gegenseitige Schützenhilfe wurde mit Beifall bedacht – von Brauchtumsfreunden um Bezirkskönig Michael Keinath ebenso wie von Wirtschaftsleuten um Horst Wateler (Sparkasse), Friedhelm Kirchhartz (NVV), Joachim Bücker (Jessen), Gert Kartheuser (First Reisebüro), Lothar Erbers (Volksbank), Ulrich Schückhaus (EWMG) und Bernhard Laufenberg (BLS). Der Verwaltungsvorstand (mit Bernd Kuckels, Peter Holzenleuchter und Gert Fischer) nutzte die Schützenrunde, um von einem Experten zu lernen, wie man mit kleinem Geld auskommt. Penningmeeseter Louis Litjens von der Europa-Schützen war der Experte, dessen Titel schon verrät, dass er mit dem Pfennig rechnen kann.

Für Polizeipräsident Hans-Hermann Tirre und Professor Christoph Müller-Leisse (Maria Hilf) schließlich stand die Vogelkunde im Hauptinteresse – zunächst beim Beobachten des seltsamen Pfauenrufens, später beim Jubiläumsschießen, als der Holzadler zu schnell zu Boden fiel. Die silberne Jubiläumsplakette ging mit dem 17. Schuss an den Spanier Jose Silva, König der Sankt Paulus Schützen Mülfort.

Für alle Gäste stand am Ende des Tages fest: Lehrreich. Nicht zuletzt, weil viele beim Rundgang durch die Schützenausstellung „1836“ in der Vorburg von Eva Uebe und Karlheinz Wiegmann erfuhren, wie spannend Gladbachs Stadt- und Schützengeschichte ist. Und unterhaltsam war der Schützen-Festtag aus. Denn der gastgebende Bruderrat um Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst und Bezirksbundesmeister Horst Thoren bot schützenfestliche Musik (von der Big Band Sankt Barbara Neuwerk und dem Bundesschützenfanfarenkorps Korschenbroich), historisches Fahnenschwenken (mit jungen Leute aus Broich-Peel und Traditionsschwenker von der königlichen Sint Lambertus Gilde aus Helde in den Niederlanden), zünftige Speisen (heimisches Bier und Gulaschsuppe) und zum Abschluss auch noch spannenden TV-Fußball (mit der heimischen Borussia aus Hamburg). Die Schützen gaben sich mit OB Bude (trug Borussenschal zur Schützentracht) sicher: Borussia bleibt in der 1. Bundesliga.


Letzte Aktualisierung: 12.05.2012
ISSN - 2190-9881





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